Entstehung und Ursachen

Entstehung der Kapselfibrose - Kapselkontraktur an der Brust

Grundsätzlich entsteht um jeden Fremdkörper, der in den menschlichen Körper eingebracht wird, eine Kapsel aus Narbengewebe und Bindegewebe. In den meisten Fällen bereitet dies keine Probleme, da die Kapsel sehr zart und dünn ist und keine funktionellen Probleme bereitet. Bei einer Kapselfibrose nach der Brustvergrösserung oder nach einer Brustrekonstruktion mit Brustimplantaten kann es zu einer Verdickung dieser Kapsel durch vermehrte Bindegewebsbildung kommen. In ausgeprägten Fällen kann diese mehrere Millimeter dick werden und sich zusammenziehen (konstriktive Kapselfibrose), so dass dann eine "Tennisballbrust" entsteht.

Ursachen der Ausbildung einer Kapselfibrose an der Brust

Warum es bei einer Brustvergrößerung zur Entstehung einer Kapsel mit Beschwerden kommt, ist nicht geklärt. Es handelt sich um ein multifaktorielles Geschehen. Hierzu zählen:

Die Art der Operationstechnik bei einer Brustvergrößerung

Die Art und Weise der Operation ist sehr wichtig. Hierzu sollte eine gewebeschonende (atraumatische) OP-Technik ohne eine Gewebepräpration mit dem Elektrokauter durchgeführt werden (Hitzeschaden des Gewebes). Größere Blutergüsse, Serome oder größeres Gewebetrauma können mögliche Ursachen für die Bildung einer Kapselfibrose sein.

Qualität der verwendeten Implantate bei einer Brustvergrößerung

Aus zahlreichen Studien ist bekannt, dass Silikonimplantate mit angerauten Oberflächen (texturiert) wesentlich seltener von einer Kapselfibrose betroffen sind als glattwandige Implantate. Die Qualität der verwendeten Implantate mit der besonderen Hüllenstruktur ist weiterhin ein wichtiger Faktor zur Minimierung der Bildung einer Kapselfibrose. Der Austritt von kleinsten Silikonpartikeln durch die Hülle der Brustimplantate (trotz Schnittfestigkeit der Implantate) nennt man "Gel bleeding". Je weniger ein Gel bleeding vorliegt, desto geringer ist das Risiko einer Kapselfibroseentstehung

Die Lage der Implantate in der Brust bei einer Brustvergrößerung

Es gibt Anzeichen dafür, dass  bei Brustimplantaten, die unterhalb der Muskeln (subpectoral oder submuskulär) implantiert werden, ein geringeres Kapselfibroserisiko besteht als bei solchen, die oberhalb des Brustmuskels und gleichzeitig unterhalb der Brustdrüse (epipectoral bzw. subglandulär) implantiert werden. In der Theorie wird der mögliche Schutz vor einer Bakterienbesiedlung der Implantate diskutiert, da Muskelgewebe sehr gut durchblutet ist. Es existiert auch die Theorie, dass Brustimplantate durch den darüber liegenden Muskel bewegt werden. Bei der Implantatlage halb unter dem Muskel oder nur unter dem Brustmuskel (subpectoral oder retropectoral) liegt durch den Brustmuskel eine Implantatsoberflächenbedeckung von nur 50% vor. Bei der Implantatlage komplett unter 4 verschiedenen Muskeln (komplettsubmuskulär oder retromuskulär) liegt eine 100%ige Muskelbedeckung vor, so dass bei dieser Technik das niedrigste Risiko einer Kapselfibrosebildung besteht.

Besiedelung der Implantatoberfläche mit Bakterien

Eine Kontamination der Implantate, also das in Berührung bringen mit Bakterien ohne sichtbare Infektion, wird ebenfalls als eine mögliche Mitursache für die Ausbildung einer Kapselfibrose diskutiert. Es existieren Studien, in welchen mikroskopisch und mikrobiologisch eine Besiedelung der Implantate mit Bakterien bei vorliegender Kapselfibrose nachgewiesen werden konnte. Diese Gefahr der Bakterienbesiedlung ist sehr hoch bei einem operativen Zugang über die Achselhöhle (Schnitt in der Axilla) und einem operativen Zugang über die Brustwarze (periarolärer Schnitt). Die Axilla und die Milchdrüsengänge, die zur Brustwarze führen, sind dichter mit Bakterien besiedelt als andere Körperregionen, wie z.B. die Brustfaltenregion. Daher ist der Schnitt in der Brustfalte der theoretisch "sauberste" Zugang für eine Brustvergrößerung.

Bestrahlung der Brust nach einer Brustrekonstruktion

Wird eine Brust im Rahmen einer Brustkrebs-Therapie bestrahlt, ist das Risiko einer Kapselfibrose bei Brüsten, bei denen eine Brustrekonstruktionen mittels Silikonimplantaten durchgeführt wurde, sehr hoch. Daher wird heutzutage eine Brustrekonstruktion mittels Eigengewebe eher favorisiert als eine solche mit Silikonimplantaten

Andere seltene Ursachen für eine Kapselkotraktur an der Brust

Eine angeborene Neigung zur Ausbildung von überschießenden Narben kann zu überschießender Abkapselung von Implantaten und somit zu einer Kapselfibrose führen. Auch kann in den seltensten Fällen eine Autoimmunstörung des Bindegewebes eine Fremdkörperreaktion und somit auch eine Kapselfibrose hervorrufen.

Behandlung der Kapselfibrose im fortgeschrittenen Stadium

Die Therapie erfolgt meistens operativ durch einen Implantatswechsel und erneute Implantateinlage. Früher durchgeführte Kapselsprengungen durch manuellen Druck werden nicht mehr empfohlen, da Rezidive häufig sind und das Implantat beschädigt werden kann. Bei der Operation wird das Implantat samt der Kapselfibrose entfernt (Kapselektomie). Liegt wenig Brusteigengewebe vor, wird die Kapsel belassen und nur an den Rändern durchtrennt (Kapselinzision). Egal ob die Kapsel ganz oder nur teilweise entfernt wird, sollte eine neues, komplett submuskuläres Implantatlager geschaffen werden, damit das neue Implantat zu 100 % mit Muskeln bedeckt ist und das Risiko einer erneuten Kapselfibrose so gering wie möglich gehalten wird.